Rhythmologie: Frühzeitiges Erkennen relevanter Ereignisse dank telemedizinische Implantat-Nachsorge

Kardiologische Implantate wie Schrittmacher, Implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) und implantierbare Ereignisrekorder können heute telemedizinisch überwacht werden. Je nach Implantat werden die Daten über eine App auf dem Smartphone oder über ein zusätzliches Übertragungsgerät via Mobilfunk an ein gesichertes, webbasiertes System übermittelt. Dort stehen uns Informationen über die Funktion des Implantats sowie über aufgezeichnete Rhythmusstörungen und weitere medizinisch relevante Parameter tagesaktuell zur Verfügung.

Am Inselspital werden in der Rhythmologie über 2'000 Implantate telemedizinisch überwacht und diese Daten jeden Arbeitstag durch ein spezialisiertes Team gesichtet und triagiert. Wird ein handlungsrelevantes Ereignis entdeckt, wird die Patientin oder der Patient telefonisch kontaktiert. Falls erforderlich, können weitere Abklärungen, eine Anpassung der Behandlung oder eine zeitnahe Vorstellung im Spital oder bei der betreuenden Kardiologin oder dem betreuenden Kardiologen organisiert werden.

Telemedizin ermöglicht deutlich frühere Reaktion

Der entscheidende Vorteil liegt in der Geschwindigkeit. Während relevante Veränderungen bei einer rein konventionellen Nachsorge unter Umständen erst in einer Notfallsituation oder bei der nächsten Kontrolle erkannt werden, ermöglicht die Telemedizin eine deutlich frühere Reaktion. Gleichzeitig kann die Anzahl konventioneller Nachsorgetermine reduziert oder bei Ereignisrekordern auch ganz darauf verzichtet werden. Dies verringert die Belastung für die Patientinnen und Patienten und schont gleichzeitig unsere Ressourcen.

Der entscheidende Nutzen der telemedizinischen Überwachung ensteht durch die Verbindung von Technologie, strukturierter täglicher Überwachung durch geschultes Personal, medizinischer Beurteilung und Einleiten der notwendigen Massnahmen.

Prof. Laurent Roten, Leiter Telemedizin an der Universitätsklinik für Kardiologie am Inselspital

Rasche Reaktion auf ICD-Elektrodendefekt

Die ICD-Elektrode stellt das vulnerabelste Element eines ICD-Systems dar, und ein Elektrodendefekt kann zu inadäquaten ICD-Schocks führen. Die Integrität der ICD-Elektrode kann telemedizinisch überwacht werden, wodurch eine beginnende Dysfunktion frühzeitig erkannt und rasch reagiert werden kann. Auf diese Weise lassen sich inadäquate ICD-Schocks und deren möglichen, gravierenden psychischen Folgen zuverlässig vermeiden.

Schnelle Reatkion auf Rhythmusstörungen und kardiale Dekompensation

Sowohl Schrittmacher wie auch ICDs liefern viele Informationen über auftretende Rhythmusstörungen sowie Hinweise auf eine zunehmende kardiale Dekompensation. Sehen wir beispielsweise eine Häufung von ventrikuläre Arrhythmien oder Hinweise auf eine kardiale Dekompensation, können wir aktiv Kontakt mit der Patietin oder dem Patienten aufnehmen. Ziel ist es, eine Verschlechterung möglichst früh zu erkennen und zu behandeln, anstatt erst zu reagieren, wenn eine notfallmässige Spitaleinweisung notwendig wird. 

Risiko-Reduktion bei Hirnschlag oder Synkopen

Ereignisrekorder werden häufig nach einem ischämischen Hirnschlag eingesetzt, um zuverlässig nach Vorhofflimmern als möglicher Ursache zu suchen. Ebenso kommen sie bei unklaren Synkopen zum Einsatz, um zugrunde liegende Rhythmusstörungen zu identifizieren. Durch die telemedizinische Überwachung können wir relevante Ereignisse frühzeitig erkennen und rasch intervenieren, sei es bei neu diagnostiziertem Vorhofflimmern nach einem Hirnschlag oder bei einer nachgewiesenen rhythmogenen Ursache einer Synkope. Damit lässt sich das Risiko für erneute Hirnschläge oder Synkopen reduzieren.

Technologie wird dann wertvoll, wenn daraus eine Handlung entsteht

Durch die telemedizinische Überwachung werden sehr viele Daten generiert und zur Verfügung gestellt. Der entscheidende Nutzen entsteht aber erst durch die Verbindung von Technologie, strukturierter täglicher Überwachung durch geschultes Personal, medizinischer Beurteilung und Einleiten der notwendigen Massnahmen. Nur durch Aufbau der entsprechenden Infrastruktur und Bereitstellung der notwendigen Ressourcen entsteht der eigentliche Mehrwert und wird letztlich die Patientensicherheit verbessert.