Über Jahrzehnte sicher begleitet auf der Nephrologie
Die chronische Nierenerkrankung war bereits weit fortgeschritten, als Herr M. zum ersten Mal in unsere nephrologischen Sprechstunde kam. Dies Erkrankung wurde als Zufallsbefund im Rahmen eines Check-ups entdeckt – Beschwerden hatte Herr M. bisher keine. Genau darin liegt eine besondere Herausforderung von Nierenerkrankungen: Die Nierenfunktion kann sich über lange Zeit verschlechtern, ohne dass dies bemerkt wird. Gleichzeitig steigt das Risiko, dass Komplikationen im Zusammenhang mit der Nierenerkrankung auftreten. Je fortgeschrittener die Nierenerkrankung ist, umso geringer sind die therapeutischen Möglichkeiten, um die Nierenfunktion zu verbessern. Ziel ist es, die verbleibende Nierenfunktion möglichst lange zu stabilisieren, Risiken frühzeitig zu erkennen und vermeidbare Komplikationen konsequent zu verhindern.
Pflege für engmaschige Betreuung zentral
Herr M. wird von Beginn an interprofessionell begleitet. Die Nierenerkrankung wird gezielt behandelt, Blutdruck und Begleiterkrankungen konsequent therapiert, die Medikation regelmässig auf Wirkung, Dosierung und mögliche Risiken überprüft und der Verlauf engmaschig beurteilt. Die nephrologische Pflege ist dabei zentral: Wie nimmt Herr M. seine Medikamente tatsächlich ein? Kennt er Warnzeichen? Wie gelingt die Blutdruckkontrolle im Alltag? Haben sich Gewicht, Belastbarkeit oder Wohlbefinden verändert? Im Austausch zwischen Patient, Pflege und Ärzt:innen werden solche Beobachtungen rasch aufgenommen und in die Behandlung integriert.
Patientensicherheit entsteht vor allem durch Kontinuität in der Betreuung und die enge Zusammenarbeit im Dreieck Patient:in – nephrologische Pflege – Ärzt:in
- Für die Universitätsklinik für Nephrologie, Inselspital: Prof. Dr. med. Daniel Fuster, Klinikdirektor und Chefarzt; Ursula Dietrich, Abteilungsleiterin Pflege; PD Dr. med. Fabienne Aregger, Leitende Ärztin (fehlt auf dem Bild) .
Frühzeitige Aufklärung
Die gemeinsame Therapie zeigt Wirkung: Obwohl Herr M. bereits mit stark eingeschränkter Nierenfunktion zugewiesen wurde, lässt sich die Nierenfunktion stabilisieren. Er gewinnt dadurch viele Jahre, in denen er ohne Nierenersatzverfahren leben kann. Diese Zeit ist für ihn Lebensqualität – und für das Behandlungsteam zugleich ein wichtiges Zeitfenster, um Risiken zu reduzieren und die Planung der Nierenersatztherapie ohne unnötigen Zeitdruck vorzubereiten. Als sich die Nierenfunktion später wieder verschlechtert, wird Herr M. frühzeitig über weitere Behandlungsmöglichkeiten aufgeklärt: Peritonealdialyse, Hämodialyse oder Transplantation – gute Entscheidungen brauchen verständliche Information, Zeit und gemeinsame Planung.
Sicherheit durch Kontinuität
Schliesslich entscheidet sich Herr M. für die Peritonealdialyse. Die Pflege schult ihn, bis er die Behandlung zu Hause selbständig sicher durchführen kann. Entscheidend ist nicht nur die Technik: Er muss Warnzeichen einer Infektion erkennen, Veränderungen richtig einschätzen und wissen, wann er das Behandlungsteam kontaktieren soll. Nach vielen Jahren der erfolgreichen Peritonealdialyse ist im Verlauf eine Umstellung auf die Hämodialyse notwendig. Auch in dieser Übergangsphase ist Sicherheit besonders wichtig. Das Team kennt inzwischen seine Krankengeschichte, seine Ressourcen und seine Belastungen. Die Pflege erlebt ihn regelmässig während der Dialyse und bemerkt Veränderungen oft früh. Beobachtungen werden direkt mit den Ärzt:innen besprochen und in die Behandlung einbezogen.
Später erhält Herr M. eine Spenderniere. Die Transplantation beendet die nephrologische Betreuung nicht, sondern eröffnet eine neue Phase mit eigenen Risiken. Immunsuppressive Medikamente müssen zuverlässig eingenommen, Wechselwirkungen beachtet und Infektionen oder Abstossungsreaktionen früh erkannt werden. Die langfristige engmaschige nephrologische Nachsorge bleibt deshalb auch Jahre nach der Transplantation zentral.
Die Geschichte von Herrn M. steht beispielhaft für viele Menschen mit chronischer Nierenerkrankungen. Ihr Behandlungspfad erstreckt sich häufig über Jahrzehnte und umfasst viele Therapieformen. Patientensicherheit entsteht dabei vor allem durch Kontinuität in der Betreuung und die enge Zusammenarbeit im Dreieck Patient:in – nephrologische Pflege – Ärzt:in. Jede Perspektive trägt dazu bei, Patient:innen über den gesamten Verlauf ihrer Erkrankung sicher zu begleiten.

