Neue Wirkstoffe gegen Alzheimer am Inselspital verfügbar

In der Schweiz stehen erstmals Wirkstoffe zur Verfügung, die direkt in den Krankheitsprozess der Alzheimer-Erkrankung eingreifen können. Die Universitäre Interdisziplinäre Memory Clinic am Inselspital Bern bietet diese neue Therapie für geeignete Patient:innen an. Das Medikament kann den Verlauf der Krankheit verlangsamen – insbesondere in frühen Krankheitsstadien.

Die Behandlung der Alzheimer-Erkrankung hat einen wichtigen Fortschritt erreicht: In der Schweiz sind erstmals Wirkstoffe verfügbar, die gezielt gegen krankhafte Eiweissablagerungen im Gehirn wirken. Die Universitäre Interdisziplinäre Memory Clinic der Universitätsklinik für Neurologie am Inselspital, Universitätsspital Bern, bereitet sich seit längerem auf diese Therapien vor und bietet sie nun für geeignete Patient:innen an.

Alzheimer ist die häufigste Ursache von Demenz und macht rund 60 bis 70 Prozent aller Demenzerkrankungen aus. Die Erkrankung führt zu einem fortschreitenden Verlust von Gedächtnis- und Denkfunktionen.

Die neuen Behandlungen verwenden im Labor hergestellte Antikörper – ähnlich wie jene, die das Immunsystem zur Abwehr von Krankheitserregern einsetzt. Sie sind darauf ausgerichtet, die für Alzheimer typischen Amyloid-Ablagerungen im Gehirn zu bekämpfen. Das Ziel: Diese Ablagerungen zu verringern und so das Fortschreiten der Krankheit zu bremsen.

„Diese neuen Wirkstoffe können Alzheimer nicht heilen. Studien zeigen jedoch, dass sie den Funktionsverlust des Gehirns verlangsamen können. Für Patient:innen bedeutet das möglicherweise, dass Selbstständigkeit und Lebensqualität länger erhalten bleiben“, sagt Prof. Dr. med. Bogdan Draganski, Leiter der Universitären Interdisziplinären Memory Clinic an der Universitätsklinik für Neurologie am Inselspital. Studien zeigen, dass der Übergang von einer leichteren in eine schwerere Krankheitsphase um rund 30 Prozent verzögert werden kann.


Therapie für frühe Krankheitsstadien

Die Behandlung ist für frühe Stadien der Alzheimer-Erkrankung vorgesehen – etwa bei Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder milder Alzheimer-Demenz. Nur ein Teil der Betroffenen erfüllt die medizinischen Voraussetzungen für diese Therapie. 

Die neuen Wirkstoffe zeigen auch, wie wichtig es ist, Gedächtnisprobleme frühzeitig abklären zu lassen. Denn: „Je früher Alzheimer erkannt wird, desto besser kann die Erkrankung heute behandelt werden“, sagt Bogdan Draganski.
 

Behandlung über Infusionen und engmaschige Kontrollen

Die Therapie erfolgt über regelmässige Infusionen, einmal monatlich über einen Zeitraum von maximal 18 Monaten. Während der Behandlung werden regelmässige MRI-Untersuchungen des Gehirns durchgeführt, um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen. 

Zu den bekannten Risiken gehören Hirnschwellungen oder kleine Hirnblutungen, die selten auftreten, aber sorgfältig überwacht werden müssen.
 

Integrierte Versorgung am Inselspital

Die Universitäre Interdisziplinäre Memory Clinic am Inselspital bietet umfassende Abklärung und Therapie bei Gedächtnisstörungen und Demenz. Diagnostik, Infusionstherapie und Bildgebung können hier eng koordiniert durchgeführt werden. „Die Behandlung erfordert eine spezialisierte Infrastruktur und Erfahrung in der Demenzdiagnostik. Am Inselspital können wir Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrollen an einem Ort anbieten“, sagt Bogdan Draganski.

Neben medikamentösen Therapien bleiben auch präventive und unterstützende Massnahmen wichtig – etwa die Behandlung von Bluthochdruck, die Förderung sozialer Aktivitäten oder die Behandlung von Hörproblemen.
 

Kontakt bei Fragen

Weitere Informationen finden Sie in den FAQ. Bei individuellen Fragen steht Ihnen das Team der Memory Clinic der Universitätsklinik für Neurologie gerne zur Verfügung.

Prof. Dr. med. Bogdan Draganski, Leiter Universitäre Interdisziplinäre Memory Clinic