Überleben ohne Folge-Schäden

Montag, 15. Februar 2016, 08:30 Uhr

Wer die seltene Blutkrankheit TTP überlebt, kämpft danach mit bleibenden neurologischen Schäden. Damit dies nicht so bleibt entwickelt die Hämatologie des Inselspitals eine schnellere und Rückfall-sicherere Therapie.

Schematische Darstellung der Blutplättchen (lila) welche an den überlangen Von Willebrand Faktor (braun) ankleben. ©Massachusetts Medical Society

Die seltene und lebensbedrohliche Blutkrankheit Thrombotisch thrombozytopenische Purpura (TTP) trifft v.a. jüngere sonst gesunde Menschen zwischen 20 und 50 Jahren. Lediglich 2-3 pro einer Million Menschen erkranken an TTP, welche in den kleinen Blutgefässen Gerinnsel bildet. Trotz der Behandlung sterben 10-20 Prozent der Patienten an einem akuten Schub. Mehr als die Hälfte der Patienten tragen als Folge der Minderdurchblutung bleibende neurologische Schäden wie Konzentration- und Aufmerksamkeits- oder Sehstörungen, Taubheitsgefühl in Arm oder Bein, sowie Lähmungen davon. Bei knapp der Hälfte flammt die Krankheit innert 1-2 Jahren wieder auf.

Schnelles Eindämmen der Krankheit bei niedriger Rückfallquote
In einer multizentrischen klinischen Studie (CH, AU, IT, BE, USA) mit Beteiligung der Universitätsklinik für Hämatologie des Inselspitals Bern ist nun gelungen, TTP mit einem Anti-Von Willebrand Faktor-Nanobody zu behandeln, der verhindert, dass die Blutplättchen verkleben. Dadurch kann TTP bereits innerhalb weniger Tage zurückgedrängt und die Organe vor weiterer Minderdurchblutung bewahrt werden – was bleibende Schäden zumindest stückweise verhindert.

Bei 95 Prozent der Patienten, welche den neuen Wirkstoff erhielten, endete die Akutphase der TTP bereits nach knapp 4 Tagen also fast 40 Prozent schneller als bei der traditionellen Therapie. Zusätzlicher Vorteil: Weil der neue Wirkstoff unter die Haut gespritzt werden kann, war es möglich Patienten bereits nach wenigen Tagen ambulant zu behandeln.