Statistische Untersuchung: Leukämie bei Kindern

Dienstag, 03. November 2015, 16:05 Uhr

Berner Sozial- und Präventivmediziner fanden einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Wohnort und Leukämie-Erkrankungen bei Kindern.

Eine im «European Journal of Epidemiology» publizierte Studie der Forschergruppe um Ben Spycher und Claudia Kuehni vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern (ISPM) erhärtet die Vermutung, dass Verkehrsabgase das Leukämierisiko bei Kindern erhöhen.

Zwei Untersuchungsarten, ein Resultat

Das ISPM-Team untersuchte anhand der Volkszählungs-Daten von 1985 bis 2008, ob Kinder, die sehr nahe an Autobahnen oder Autostrassen aufwuchsen, ein erhöhtes Krebsrisiko aufwiesen. Die Forschenden teilten die Wohnorte der Kinder in verschiedene Distanzgruppen ein (weniger als 100 Meter, 100-250 Meter, 250-500 Meter und über 500 Meter von der nächsten Autobahn oder Autostrasse entfernt). Anschliessend wurden die bis zum Jahr 2008 auftretenden Krebserkrankungen aus dem Kinderkrebsregister erfasst. Dann verglichen die Forschenden die Leukämiehäufigkeit in den verschiedenen Distanzkategorien.

Bei einer zweiten Untersuchungsmethode wurden aufgrund der Volkzählungsdaten abgeschätzt, wie viele Personenjahre insgesamt von allen in der Schweiz wohnhaften Kindern in den verschiedenen Distanzgruppen zwischen 1985 und 2008 durchlebt wurden – für jedes gelebte Kalenderjahr trägt ein Kind ein Personenjahr bei. Auch hier wurde die Inzidenzrate (Leukämiefälle pro Personenjahre) zwischen den Distanzgruppen verglichen.

Beide Methoden zeigten sehr ähnliche Resultate: Für Leukämien wurde bei Kindern in der Distanzkategorie unter 100 Meter ein um 47 Prozent (erste Methode), beziehungsweise 57 Prozent (zweite Methode) erhöhtes Risiko gefunden im Vergleich zu Kindern, die mehr als einen halben Kilometer zur nächsten Autobahn oder Autostrasse wohnten.

Kinderkrebs ist selten

Krebserkrankungen bei Kindern sind selten. Dennoch erkranken in der Schweiz jährlich über 200 Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren daran. Am häufigsten treten Leukämien und Hirntumore auf.

Die Ursachen von Krebserkrankungen bei Kindern sind noch weitgehend unbekannt. Neben einer gewissen genetischen Veranlagung wird auch der Einfluss von verschiedenen Umweltfaktoren diskutiert, wie zum Beispiel die Luftverschmutzung. Autoabgase etwa enthalten Benzol und andere bekannte krebserregende Stoffe.

In unmittelbarer Nähe von viel befahrenen Strassen wie Autobahnen sind die Schadstoffkonzentrationen in der Luft immer noch stark erhöht. Sie fallen jedoch innerhalb von wenigen hundert Metern rasch ab. 

(Quelle: Medienmitteilung Universität Bern)